Musik für Zupfinstrumente (CD »Interludien«)

Kurt Schwaen Interludien. Neue Musik für Zupfinstrumente

Zur Musik

(Auszug aus dem Booklet-Text)

(...) Diese CD repräsentiert fast ein halbes Jahrhundert der Zupfmusik wie des kompositorischen Schaffens von Kurt Schwaen auf dem speziellen Gebiet der Kammermusik für Zupfinstrumente, das von ihm ebenfalls immer wieder mit Engagement bedacht wurde.

Stark abweichend von zahlreichen CD-Einspielungen mit Werken für Zupforchester, fällt hier der hohe Anteil von Solisten auf. Das reine Zupforchester ist nur vertreten durch die Abendmusik (dem auf der CD ältesten Stück Schwaens) und Fern und nah, die als Neue Nationaltänze damit sogleich auf die Anfänge verweisen. Als der Komponist mit seinen frühen Stücken 1948/49 die Zupferszene betrat, stießen sie noch auf Unverständnis und galten als unspielbar. Inzwischen sind sie längst zu Repertoirestücken geworden. Nicht so die jüngeren, vom Schwaen für gewichtiger gehaltenen Werke.

Anhand der Kompositionen auf dieser CD läßt sich sowohl die Herausbildung des eigenen kompositorischen Stils von Kurt Schwaen erkennen, wie auch die technisch-programmatische Entwicklung der Zupfmusik der letzten 50 Jahre. Vielleicht wird damit ein Beitrag geleistet, die noch bei einigen Orchestern bestehende Hemmschwelle vor neuen Werken zu überwinden.

Der Anteil von Werken mit Solisten ist nicht nur ungewöhnlich groß, sondern auch sehr vielfältig: Zwei Kompositionen sind für Mandoline und Klavier geschrieben, eine für Cembalo und Zupforchester, eine andere mit der Flöte als Soloinstrument. Und zum Orchester der Suite concertante treten Solomandoline und Sologitarre.

Wodurch wird Schwaen angeregt, für Zupfinstrumente zu schreiben, da er doch vom Klavier kommt, Kammermusik, Konzerte und Opern schreibt, also in anderen Genres zu Hause war und ist?

»Für mich ist das Zupforchester eine Gattung der Kammermusik. Und gerade in der heutigen Zeit halte ich diese Besetzung für sehr wichtig, weil sie das Ohr schult für leise Töne.«

Neue Klangräume- und Kombinationen aufzuspüren, reizte ihn zu jeder Zeit. Anregungen dafür griff er immer auf, wie die hier vorgelegten Werke eindringlich beweisen.

Das Balletto wurde für das Zupforchester G. Ph. Telemann in Magdeburg geschrieben, das sich an der Telemann-Ehrung 1981 mit einem eigenen neuen Beitrag beteiligen wollte. Dass der Namenspatron berücksichtigt werden möchte, war ein musikalisch wünschenswerter Hinweis. Schwaen reagierte mit der Einbeziehung der Chasse von Telemann, und, um den klassischen Anteil nicht zu isolieren, fügte er den Rigaudon von Rameau hinzu.

Von der Musica Antiqua Saraviensis kam, mit schmeichelhaften Worten, die Bitte nach einer Komposition für Cembalo und Zupforchester, da eine junge begabte Cembalistin zur Verfügung stehe (es sollten für dieses Ensemble noch weitere Kompositionen folgen).

Die Vison orientale entstand auf Wunsch des japanischen Mandolinisten Yasao Kuwahara.

In der Izba ist ein Resultat mehrerer Reisen Schwaens nach Bulgarien, wo er die interessante rhythmisch-vertrackte Volksmusik kennen und lieben lernte.

Bei der Komposition der Suite concertante blieb ein Brief des Verlegers – ein platonischer Auftraggeber – nicht ohne Einfluß. Er machte darin Anspielungen auf die vom Komponisten so beliebte Kürze seiner Stücke und gab zu bedenken, daß, wenn man schon zwei Solisten benötige – vielleicht Berufsmusiker – die Stücke eine gehörige Länge haben sollten. Und ob nicht eine programmatische Deutung denkbar wäre? Man lese die Titel der einzelnen Sätze und findet die Antwort.

»Ich halte nichts davon, für die Schublade zu komponieren. Ich glaube, der Komponist sollte in lebendigen Kontakt mit seinen Interpreten und mit seinem Publikum leben. Und wenn irgendjemand an mich herantritt, um eine Komposition von mir zu erhalten, das kann für Klavier sein, das kann für ein Trio sein, das kann für Orchester sein, das kann ein Zupforchester sein oder ein Opernhaus, dann schreibe ich sofort etwas.«

Ina Iske


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